Als zentrales Element der Fahrradsicherheit betrifft der Helm alle Disziplinen und alle Fahrer! Damit ein Fahrradhelm optimalen Schutz bietet, muss er perfekt auf den Kopf passen und gut befestigt sein. Modernste Technologien ermöglichen es den Herstellern heute, Modelle anzubieten, die gleichzeitig robust, leicht und komfortabel sind.
Form, Befestigungs- und Verstellsystem, Sicherheitspatente und Material gehören zu den zu prüfenden Merkmalen und beeinflussen den Preis erheblich. Hier sind einige Tipps, damit Ihre Wahl kein Rätsel bleibt!
Die Standards
- Das Konzept: Schalentyp (außen, innen), Montage (klassisches Formen, In-Mold-Fertigung) und Schalenmaterialien;
- Die Sicherheitspatente: Mips, ODS, Spin, Turbine 360;
- Die Komfortpolster (oder Pads): Standard oder aus antibakteriellem Stoff;
- Die Belüftung: Lufteinlässe, Belüftungstunnel, Luftauslässe;
- Die Verstellmöglichkeiten: Hinterhauptverstellung, Höhenverstellung, Kinnriemen;
- Die Verstellsysteme: Drehrad, Mikroratschen-Schnalle, BOA;
- Die Verschlusssysteme: Clip, Magnetschnalle, Doppel-D-Ring, Mikroratschen;
- Die Helmtypen: klassisch, Integralhelm mit festem oder abnehmbarem Kinnschutz, Jethelm mit festem oder abnehmbarem Kinnschutz, Halbschalenhelm, Aerohelm.
ALLES ÜBER RENNRAD- UND MTB-HELME VERSTEHEN
DAS KONZEPT
Unabhängig vom Modell teilen Struktur und Konzeption ähnliche Merkmale. Ein Helm besteht daher in der Regel aus zwei Schichten: einer Außenschale und einer Innenschale.
- Die Außenschale ist die erste Schicht, die bei einem Aufprall getroffen wird. Sie übernimmt eine Schutzfunktion, indem sie verhindert, dass ein äußerer Gegenstand den Helm durchdringt und in direkten Kontakt mit dem Schädel kommt.
Bei Einsteigermodellen wird sie aus PVC gefertigt, da dieses Material kostengünstig ist. Da dieses Material jedoch schlecht altert, insbesondere durch Sonneneinstrahlung, werden die meisten Modelle aus Polycarbonat oder ABS (einem widerstandsfähigen thermoplastischen Material) gefertigt, die eine wesentlich bessere Langlebigkeit aufweisen. Hochwertige Modelle verwenden Verbundwerkstoffe oder Carbon. Neben ihrer großen Leichtigkeit ermöglichen diese Materialien eine stärkere Verformung der Schale als bei einer Kunststoffschale, bevor der Bruchpunkt erreicht wird. Dadurch kann mehr Energie dissipiert und der Kopf des Fahrers noch besser geschützt werden.
- Die Innenschale bildet den Kern des Helms, indem sie den Aufprall absorbiert und verteilt.
Sie wird stets aus Polystyrolschaum gefertigt, aber ihre Herstellung variiert je nach Verarbeitungsqualität des Helms. Bei den günstigsten Helmen handelt es sich um ein einteiliges Polystyrolstück. Sie kann auch eine robuste und sehr leichte Wabenstruktur oder sogar eine Mehrschichtdichte aufweisen. Bei fortgeschritteneren Modellen besteht die Innenschale aus einem Polystyrolrahmen und einer oder mehreren internen Strukturen aus Nylon, Kevlar oder Aramid, die einen erhöhten Schutz, insbesondere bei aufeinanderfolgenden Stößen, bieten und dabei extrem leicht sind.
Die Montage dieser beiden Elemente variiert je nach Herstellungsverfahren.
Die in der Industrie weit verbreitete In-Mold-Konstruktion besteht darin, die beiden Schalen durch Thermokleben zu verschmelzen, wodurch ein einziges Teil entsteht. Dieses Verfahren sorgt nicht nur für eine bessere Verarbeitung, sondern verleiht dem Gesamthelm eine hohe Stabilität bei gleichzeitig geringerem Gewicht und effizienterer Belüftung.
Das immer seltener werdende klassische Formverfahren besteht darin, die beiden Teile einfach miteinander zu verkleben. Dieses Verfahren findet sich nur noch bei Einsteigermodellen sowie bei bestimmten Halbschalenhelmen, denn obwohl es kostengünstiger ist, führt es zu einem schwereren Helm mit geringerer Belüftung.
DIE SICHERHEITSPATENTE
Obwohl alle Helme effektiv vor Stößen schützen und über eine CE-Zulassung verfügen, sind seit einigen Jahren innovative Sicherheitspatente entstanden, um diesen Schutz zu erhöhen. Das Unternehmen MIPS hat diese Innovationen initiiert, die sich in verschiedenen Formen entwickelt haben
Die MIPS-Technologie bezeichnet eine dünne, unabhängige Innenmembran, die sich zwischen der Innenschale und den Schutzpolstern befindet. Dank elastischer Verankerungen mobil, dämpft sie Stöße noch stärker. Dieser Schutz gegen „multidirektionale" Aufpralle ermöglicht es, maximale kinetische Energie zu dissipieren, selbst bei einem Aufprall an mehreren Stellen: Das ist Energie, die der Kopf des Fahrers nicht direkt aufnehmen muss.
Andere Hersteller haben diese Neuerung aufgegriffen und bieten ihre eigenen Sicherheitspatente an, insbesondere das Turbine 360 von Leatt, das Spin von Poc oder das ODS von 6D. Diese letzte Technologie verwendet zwei Schichten aus expandiertem Polystyrol (EPS): Zahlreiche Elastomer-„Mini-Dämpfer" werden zwischen diese beiden Schichten eingefügt, um die Absorptionsfähigkeit des Helms unabhängig vom Aufprallwinkel zu verbessern.
Seit einiger Zeit, insbesondere bei Smith Optics und Endura, könnte die Koroyd-Technologie die Helmherstellung revolutionieren. Konkret ermöglicht diese Technologie, EPS durch eine Struktur aus Tausenden von extrudierten und miteinander thermoverschweißten Polymerröhrchen zu ersetzen. Diese Röhrchen können auf mehr als 80 % ihrer Länge zusammengedrückt werden und reduzieren so die übertragene Energie um 30 bis 50 %, indem sie diese progressiv verteilen. Koroyd ist bei starken Aufprallen ebenso effektiv wie bei Micro-Stößen, im Gegensatz zu EPS, und hat zudem den Vorteil, leichter zu sein und eine bessere zusätzliche Luftzirkulation zu bieten. Das Ergebnis ist ein atmungsaktiverer und leichterer Helm, der gleichzeitig einen überlegenen Aufprallschutz im Vergleich zur Standardkonstruktion bietet.
DIE POLSTER
Hinzu kommen Polster (oder Pads) für den Komfort, die die Verbindung zwischen der Innenschale und dem Schädel herstellen. Die Polster ermöglichen die endgültige Anpassung des Helms an den Kopf und sorgen für maximalen Komfort, insbesondere durch ihre feuchtigkeitsabsorbierende Funktion. Sie sind oft abnehmbar, damit sie gereinigt werden können. Sie können von Standardqualität sein oder auf antibakterielle und atmungsaktive Technologien zurückgreifen, darunter Coolmax und X-Static.
DIE BELÜFTUNG
Eine gute Belüftung ist für den Komfort des Fahrers unerlässlich. Ein Helm verfügt über Lufteinlässe, die je nach Modell mehr oder weniger zahlreich und breit sind. Die einströmende Luft kann durch einen echten Tunnel geleitet werden, der den Kopf des Fahrers kühlt, bevor sie durch einen Auslass an der Rückseite ausgestoßen wird. Einige Helme verfügen zudem über Insektenschutzgitter an den Lüftungsöffnungen, um Stiche zu vermeiden.
DIE VERSTELLMÖGLICHKEITEN
Die Hinterhauptverstellung im Nackenbereich ermöglicht eine gute horizontale Anpassung des Helms (Kopfumfang) und sorgt für zuverlässigen Halt. Fortgeschrittenere Modelle bieten auch eine Möglichkeit der Höhenverstellung, um die Ausrüstung noch feiner an die eigene Körperform anzupassen und die Stabilität zu verbessern. Schließlich gewährleisten der Kinnriemen und die Seitenriemen den Halt des Helms bei Stürzen oder starken Erschütterungen.
DIE VERSTELLSYSTEME
Zur Anpassung des Helms verwenden die Hersteller Drehräder, Mikroratschen-Schnallen oder das BOA®-System. Das Drehrad funktioniert einfach: Durch Drehen zieht ein von Kerben angetriebenes Band den Kopf des Fahrers mehr oder weniger fest. Die Mikroratschen-Schnalle ähnelt ihm, bietet aber eine noch präzisere Einstellung. Das BOA-System bietet schließlich die zuverlässigste und feinste Einstellung, indem es ein Kabel unter Spannung setzt.
DIE VERSCHLUSSSYSTEME
Ein wirksamer Helm muss bei Kopfbewegungen an Ort und Stelle bleiben, ohne zu drücken, insbesondere am Kinnriemen, der die Kehle nicht einengen darf. Dieser kann auf herkömmliche Weise mit einem einfachen Clip gesichert werden, aber auch durch Mikroratschen-Verschluss, magnetische Schnalle Fid-Lock® oder durch Doppel-D-Ring. Dieses System, das häufig Enduro/DH-Helmen vorbehalten ist, ist sicherlich das zuverlässigste, aber auch das am wenigsten intuitive in der Handhabung.
Die Seitenriemen, die sich direkt unter den Ohren kreuzen müssen, werden bei Einsteigermodellen durch Gleiten eingestellt, bei fortgeschritteneren Modellen durch Verriegelung (wesentlich einfacher und schneller). Ein Detail, das den Unterschied machen kann, wenn man seinen Helm das ganze Jahr über benutzt und die Riemenlänge je nach Dicke einer eventuell darunter getragenen Helmunterziehmütze anpassen muss.
DIE HELMTYPEN
Klassischer Helm
Der klassische Fahrradhelm ist der am weitesten verbreitete und bietet einen ausgezeichneten Kompromiss zwischen Schutz, Belüftung und Leichtigkeit. Er kann mit einem Visier ausgestattet sein, das vor Sonne und/oder Spritzwasser (Regen, Staub, Kies) sowie vor Kontakt mit der Vegetation (Äste) schützt.
Aerohelm
Der Aerohelm ist darauf ausgelegt, den Luftstrom vorbeizuleiten, selbst wenn der Fahrer während der Anstrengung den Kopf senkt. Die Belüftung ist nicht vernachlässigt, ein wichtiger Punkt für die Wettkampfleistung. Er kann über ein integriertes Visier verfügen. Er wird hauptsächlich bei Zeitfahren eingesetzt.
Halbschalenhelm
Der im BMX oder Dirt verwendete Halbschalenhelm besitzt eine einfache, sehr widerstandsfähige, umschließende und wenig belüftete Schale. Das macht ihn zu einem zugänglichen, unkomplizierten Helm, der den urbanen, BMX- und Dirt-Codes entspricht.
Jethelm
Der Jethelm ist eine Weiterentwicklung des klassischen Helms: Er umschließt den Hinterkopfbereich (Hinterkopf/Nackenansatz) stärker und reicht weiter nach hinten, um den Schutz zu verbessern.
Integralhelm
Der MTB-Integralhelm bietet maximalen Schutz: Mit ihm ist das gesamte Gesicht bei Bodenkontakt geschützt. Seine robuste Konstruktion macht ihn in der Lage, viel Energie zu absorbieren. Er wird meistens mit einer Schutzbrille verwendet.
Der Helm mit abnehmbarem Kinnschutz ähnelt ihm, ist aber in den Herstellerkatalogen selten. Seine Modularität stellt einen interessanten Kompromiss dar, um bei Aufstiegen maximale Belüftung zu genießen.
Der abnehmbare Helm
Der abnehmbare Helm ist ein vielseitiges Modell, das die Vorteile eines Jethelms und eines Integralhelms vereint. Obwohl auf dem Markt relativ wenige Modelle erhältlich sind, wird dieser Helmtyp wegen seiner Vielseitigkeit immer beliebter: maximaler Komfort und optimale Belüftung beim Aufstieg sowie maximaler Schutz bei der Abfahrt.
WELCHER HELM FÜR MEINE DISZIPLIN?
Alle Helme dienen dem Schutz vor Aufprallen. Aber warum gibt es so viele verschiedene Modelle auf dem Markt? Ganz einfach. Die Anforderungen und Eigenschaften jeder Disziplin erfordern den Einsatz eines anderen Helmtyps.
Wandern
Ein klassischer Helm ist am besten für eine typische Freizeit-MTB-Nutzung geeignet. Mit einem guten Schutzniveau belastet seine Leichtigkeit den Nacken auch nach mehreren Stunden nicht übermäßig. Die oft zahlreichen Belüftungsöffnungen helfen, den Kopf kühl zu halten.
Cross-Country
Für intensive Cross-Country-Ausfahrten auf einem Hardtail-MTB, bei dem jede Optimierung willkommen ist, garantiert ein leichter klassischer Helm mit kurzem Visier das beste Verhältnis von Schutz und Leistung. Einige Wettkämpfer verwenden sogar Rennradhelme, die leichter und aerodynamischer als MTB-Helme sind.
Für marathonartige Ausfahrten auf manchmal sehr anspruchsvollen und technischen Bergstrecken kann ein umschließenderes Modell wie ein Jethelm für einen besseren Schutz in Betracht gezogen werden.
All-Mountain
Um Bergpisten beim Fully-MTB im Rahmen einer All-Mountain-Nutzung zu befahren, ist ein Jethelm eine sichere Wahl. Seine umschließende Form bietet ein hohes Schutzniveau. Das Gewicht der Jethelm-Modelle bleibt moderat. Diese Helme können daher über einen langen Zeitraum getragen werden. Die zahlreichen Belüftungsöffnungen helfen, die Temperatur beim Aufsteigen aus eigener Kraft zu regulieren! Ein Helm mit abnehmbarem Kinnschutz ist bei Ausfahrten denkbar, bei denen sehr schnelle und technische Abfahrten mit langen Aufstiegen abwechseln. Man vereint dann das Beste aus beiden Welten: vollständiger Schutz bei der Abfahrt und Belüftung beim Aufstieg.
Enduro
Hier ist ein Helm mit abnehmbarem Kinnschutz ein ausgezeichneter Kompromiss. Ohne den Kinnschutz verhält er sich wie ein Jethelm und ist beim Pedalieren auf den Verbindungsstrecken gut tragbar. Bei Abfahrten bietet er einen Schutz, der dem eines einteiligen Integralhelms nahekommt. Wenn das Reglement dies nicht erlaubt oder man den bestmöglichen Schutz wünscht, ist ein einteiliger Integralhelm unumgänglich.
DH / Freeride
Kein Zweifel: Ein einteiliger Integralhelm ist das Nonplusultra in den extremsten Gravity-Disziplinen. Das Angebot der Hersteller ist immens, und man kann sich für eine Außenschale aus Verbundwerkstoff entscheiden. Sie ermöglicht es, das Risiko von Schädeltraumata bei starken Stößen so weit wie möglich zu reduzieren.
Straße
Liebhaber von Klassikern, Etappenrennen oder einfachen Sonntagsausfahrten – ein klassischer Helm schützt vor den Unwägbarkeiten des Straßenfahrens. Die Belüftungsöffnungen ermöglichen es manchmal, die Sonnenbrille mit geöffneten Bügeln einzuhängen. Praktisch, wenn sich das Wetter eintrübt! Für Zeitfahrer, Bahnradfahrer oder Triathleten ist ein Aerohelm ein guter Verbündeter zur Leistungsoptimierung.
Gravel und Cyclocross
Ein klassischer Helm ist hier empfehlenswert. Es kann in diesem Fall interessant sein, wahllos die Straßen- und MTB-Cross-Country-Kataloge der Marken zu durchsuchen, um das Passende zu finden.
BMX
Im BMX Street, Dirt oder Skatepark wird meistens ein Halbschalenhelm verwendet. Sehr robust, einfach in der Konstruktion und erschwinglich, bietet er einen umfassenden Schutz.
Im Race ist ein Integralhelm notwendig, um sich vor Stürzen bei hoher Geschwindigkeit zu schützen!
DIE GESETZGEBUNG ZUM TRAGEN EINES FAHRRADHELMS
Der Fahrradhelm gehört zur Grundausstattung eines Radfahrers. Für Erwachsene ist er nicht vorgeschrieben, aber dringend empfohlen! Bei einem Sturz, selbst bei geringer Geschwindigkeit, macht er den Unterschied.
Es ist jedoch zu beachten, dass seit März 2017 ein Gesetz das Tragen eines Helms für Kinder unter 12 Jahren vorschreibt, egal ob sie selbst Rad fahren oder als Passagier auf einem Sitz oder in einem Anhänger mitfahren.
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